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Deutschland Nachrichten: Sport

5. Februar 2007

Handball: Happy End im "Wintermärchen": Deutschland nach drittem WM-Titel im Handball-Rausch

Bundespraesident Horst Koehler (l) überreicht bei der Siegerehrung die Goldmedaille dem deutschen Torhueter Henning Fritz. dpa

Indianapolis feier den Super-Bowl - Deutschland die Handball-WM: nach einem grandiosen Triumphzug hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihr "Wintermärchen" zu einem Happy End geführt. Mit dem dritten Weltmeister-Titel nach 1938 und 1978 stürzten die Handball-Helden ein halbes Jahr dem "Sommermärchen" der Fußball-Nationalmannschaft wieder ein ganzes Land in einen WM-Freudentaumel. Mit Feuerwerk und schwarz-rot-goldenen Flaggen feierten am Sonntag überall in Deutschland Fans den beherzten 29:24 (17:13)-Finalsieg über Polen in Köln. Mit dem Sensationserfolg bei ihrer Heim-WM trat die "neue Generation" auch aus dem langen Schatten der Weltmeister- Mannschaft von 1978.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Vor drei Wochen habe ich es für unmöglich gehalten, was jetzt passiert ist", sagte der sichtlich mitgenommene Bundestrainer Heiner Brand, der vor 29 Jahren beim letzten deutschen WM-Gewinn als Spieler dabei war. Bei der Siegerehrung vor 19 000 entfesselten Zuschauern in der Kölnarena durch Bundespräsident Horst Köhler traten die deutschen Spieler zu Ehren ihres Trainers mit aufgeklebten Brand-Bärten und goldene Papierkronen auf dem Kopf an. Unter Champagner-Fontänen hob Kapitän Markus Baur die 30 Kilogramm schwere Trophäe in die Höhe.

Die begeisterten Zuschauer in der ausverkauften Kölnarena und tausende Fans beim Public Viewing in ganz Deutschland zelebrierten eine Handball-Party nie gekannten Ausmaßes. Die Handball-Euphorie erreichte mit dem 29:24-Sieg im Endspiel gegen Polen einen nie erwartenden Höhepunkt und bescherte dem Fernsehen wiederum einen neuen Rekord. Durchschnittlich 16,17 Millionen Zuschauer sahen den Erfolg in der ARD. Das entspricht nach Angaben des Senders einem Marktanteil von 58,3 Prozent. Die bisher beste Quote lag beim deutschen WM-Titel 1978 bei 11,87 Millionen Zuschauern. "Solche Werte kannte man bisher nur vom Fußball", kommentierte am Montag das Marktforschungsunternehmen Media Control.

Pokal der Handball WM. dpa

Im Mittelpunkt der Ovationen war Bundestrainer Brand, der als "Handball-Kaiser" wie Franz Beckenbauer im Fußball den WM-Titel als Spieler und Trainer gewonnen hat. "Die Fußball-WM war ein Sommermärchen, das ist nun ein Wintermärchen", sagte Beckenbauer.

Eröffnet wurde das Final-Spektakel mit dem 34:27 (21:15)-Sieg Dänemarks im Spiel um Platz drei gegen Europameister Frankreich. 40 Jahre nach dem Gewinn der Silbermedaille sicherten sich die mit fünf Bundesliga-Spielern angetretenen Dänen erstmals wieder eine WM-Medaille.

Die Enttäuschung über den verpassten ersten WM-Titel hielt sich bei Polens Handballern nur kurz. "Dass wir Polen im Finale der WM gestanden haben, war für viele eine Überraschung. Aber nicht für mich", betonte Trainer Bogdan Wenta. Die Erfolge ihrer Mannschaft bei dem WM-Turnier haben die Polen in ein Handball-Fieber versetzt. Das 24:29 im Endspiel tat der Begeisterung keinen Abbruch. "Danke, Jungs!" war schon nach dem Schlusspfiff viele hundert Male in polnischen Internetforen zu lesen.

Wie schon zum Auftaktspiel sowie beim Viertel- und Halbfinale erwies sich Bundespräsident Köhler als Glücksbringer für den neuen "Meister aller Klassen", der nacheinander Panamerikameister Brasilien, Afrikameister Tunesien, zwei Mal Europameister Frankreich und auch Titelverteidiger Spanien bezwungen hatte. "Das übersteigt alle Erwartungen", sagte der WM-Schirmherr zur Pause, der mit seinem polnischen Amtskollegen Lech Kaczynski das Finale besuchte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sandte dem Trainer der Handball-Nationalmannschaft, Heiner Brand, ein Glückwunschschreiben: "...was für ein Finale nach einem sensationellen Turnier! Ich gratuliere Ihnen und der Mannschaft nach einer erneut überragenden und begeisternden Leistung von ganzem Herzen zum verdienten Gewinn der Weltmeisterschaft. Sie haben heute wie schon in den vergangenen Begegnungen bei den Menschen in der Halle wie zu Hause an den Bildschirmen eine wahre Handballbegeisterung ausgelöst. Alle, die mit Ihnen mitgefiebert haben, werden diese Augenblicke so schnell nicht vergessen. Die außergewöhnliche Leistung, aber auch der gelebte Teamgeist und das überaus sympathische Auftreten der Spieler waren eine hervorragende Werbung für den Handballsport. ..."

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Redaktion: Georg Schulze Zumkley
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